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Wir leben in einem Land, welches sich durch Demokratie und
Gesetze gegen Menschenrechtsverletzungen hervorhebt. Auch
ich bin in diesem Land aufgewachsen, aber es war nicht Möglich,
mich unter den Schutz dieser Demokratie und Gesetze zu stellen.
Als ich
im Alter von 9 Jahren hierher kam, isolierte meine Familie
mich vor der deutschen Gesellschaft und es zählten nur
die Gesetze" der Familie. Mir wurde vermittelt,
dass ich als Mädchen und später als Frau keine Rechte
habe und nur allein dem Mann, den ich später heiraten
sollte, Gehorsam schulde.
Ich hatte
keine Ahnung von Hilfsorganisationen, Beratungsstellen oder
anderen Institutionen, welche mir in meiner eigenen Situation
hätten helfen können. Selbst bei meiner Flucht vor
Zwangsheirat und meiner Familie konnte ich keine Hilfe von
unserem Staat erwarten. Als ich die Polizei aufsuchte und
meine Not erklärte, stieß ich nur auf Unverständnis
und man unterstellte mir sogar, dass ich Geschichten erzählen
würde.
Die heutige
Situation erinnert mich oft an meine damalige eigene Hilflosigkeit.
Die Themen Ehrenmorde, Zwangsheirat und Häusliche Gewalt
sind zwar in der Öffentlichkeit gewachsen, aber das Hilfsangebot
reicht bei weitem noch nicht aus.
Ich spreche
hier nicht nur von meinem Volk, den Türken und Kurden,
sondern es sind Länder wie Pakistan, Jordanien, Marokko,
Albanien, Brasilien, Griechenland und Italien betroffen, in
denen die Frauen von traditionell patriarchalischen verfestigten
Familienstrukturen umgeben sind. Es beschränkt sich also
nicht nur auf den islamischen Kulturkreis, in denen Zwangsheirat,
Ehrenmorde und Häusliche Gewalt (bis hin zu Steinigungen)
als Mittel zum Zweck dienen.
Mir selbst
wurde die Tradition in Form von Religion vermittelt, welche
maßgeblich in den ersten und wichtigsten Jahren meines
Lebens war. Mein Umfeld und ein Privat-Imam gaben das patriarchalische,
konservative, frauenfeindliche Bild in Form unserer Religion
wieder.
Um diesen
falschen Eindruck der Religion auch den heute Betroffenen
nahe zu bringen, ist es um so wichtiger, den engen Kontakt
zu den Migranten in Deutschland zu suchen. Aufklärung
und die Beteiligung an der Lösung der Probleme von
den Betroffenen, sind hierbei die Grundlagen einer Konstruktiven
Hilfe.
Ich versuche
mit meinen Lesungen und Seminaren genau diesen Weg zu
den
Kulturen zu finden, dass die Betroffenen das Unrecht in ihrer
Situation erkennen und bekämpfen.
Ich vermittle
dem Bruder, dass er nicht der Mörder seiner Schwester
sein darf. Ich vermittle der Tochter, dass sie das Recht
auf freies Leben hat, ohne die Familie dadurch verlieren
zu müssen, ich vermittle der jungen Frau, dass sie
den Mut hat, gegenüber ihrer Familie ihr Recht zu
vertreten, ihren Ehemann selbst zu wählen. Den Familien
vermittle ich, dass sie mit ihrem Zwang, Druck und Gewalt
ihre Kinder
von sich treiben und der Familienverbund zerbricht.
Daher
fordere ich, dass die Politiker und die deutsche Gesellschaft
mit der ausländischen Gesellschaft zusammenarbeiten
und ehrlich den Problemen und deren Lösungen gegenüber
stehen. Es wird keiner für sich alleine einen Weg finden.
Wichtig ist der permanente Austausch von Informationen,
Kontakten
und Gesprächen. Den Betroffenen müssen mehr Hilfsangebote
zur Verfügung gestellt werden und den Familien müssen
Menschenrechte und Demokratie näher gebracht werden.
Es soll
nicht die Religion verboten werden, sondern nur das was
in
sie hineininterpretiert wird, um einen traditionellen Nutzen
daraus zu ziehen. Es ist sehr wichtig, in der heutigen
Diskussion
die Probleme anzugehen, ohne hierbei alle Migrantenfamilien,
insbesondere die Muslime, an den Pranger zu stellen.
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