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Auszug aus der HÖCHST vom 18.03.2006
 


Schlechte Traditionen bekämpfen

Sossenheim. „Ich als großer Bruder muss doch wissen, was für meine Schwester gut ist", meint der Schüler der Eduard-Spranger-Schule. ,Versetzt euch doch mal in die Lage der Mädchen", entgegnet Fatma Bläser. Sie hat die Unterdrückung, die viele muslimische Frauen innerhalb von Familie und Gesellschaft täglich erfahren, erlebt und ihre Lebensgeschichte in dem Buch „Hennamond" erzählt. Gestern war sie in der Haupt- und Realschule zu Gast und hat sich der Diskussion mit Neunt- und Zehntklässlern gestellt. Die wissen, wovon Fatma Bläser spricht, sind doch die meisten von ihnen Moslems oder stammen aus türkischen Familien - der Ausländeranteil liegt unter den SprangerSchülern bei etwa 80 Prozent.

„Nicht alle Türken zwangsverheiraten ihre Töchter oder zwingen ihre Söhne zu Ehrenmorden. Aber es gibt im Islam schlechte Traditionen, gegen die man ankämpfen muss", sagt die Schriftstellerin. Sie selbst wäre heute mit einem Mann verheiratet, den ihr Vater in der Türkei für sie ausgesucht hatte, wenn sie sich dieser Hochzeit nicht widersetzt hätte. Dass es dadurch zum Bruch mit der Familie kam, war zwangsläufig. „Mein Bruder stand mit einer Pistole vor mir und wollte mich ermorden, weil ich die Ehre der Familie beschmutzt hatte. Wenn nicht die Polizei gekommen wäre, hätte er es wohl getan. Das kann ich ihm bis heute nicht verzeihen." Dass die Männer, die im Namen des Glaubens oder der Ehre Frauen bevormunden und unterdrücken, selbst unter einem enormen gesellschaftlichen Zwang stehen, auch das weiß Fatma Bläser: ,Wenn ein türkisches Mädchen mit einem Jungen spricht, ist ihr Bruder gezwungen, etwas dagegen zu unternehmen, sonst fragen ihn seine Freunde, ob er kein Ehrgefühl habe."

„Ich habe zwar keine Schwester. Aber wenn ich eine hätte, und sie würde mir sagen, dass sie keine Jungfrau wäre, wüsste ich nicht, was ich mit ihr machen würde", erklärt ein Schüler. „Ist denn
ein Stück Haut, das ein Mädchen sogar beim Sport verlieren kann, wichtiger als der Mensch?", fragt Fatma Bläser, die es ebenso wie die Schülerinnen im Plenum nicht einsehen will, dass für manche Moslems die Frau auch heute noch weniger wert ist als der Mann. Die Autorin weiter: „Obwohl ich von Erlebnissen geschrieben habe, die über 30 Jahre her sind, sagen mir noch heute Mädchen, dass ich genauso über ihr Leben geschrieben hätte. Es ist die Aufgabe eurer Generation, endlich einen Weg zu einem menschlichen Miteinander zu finden.
"

Weil davon auch Lehrerin Lauterberg überzeugt ist, hatte sie im Unterricht Ausschnitte aus dem Buch „Hennamond" gelesen und gefragt, was eigentlich Ehre und Toleranz sei. „Toleranz und Menschlichkeit ist wichtiger als alles andere", will sie ihren Schülern vermitteln. (jöh)

*besten Dank an den Schreiber.

 
 

 
     
 
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